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Fragte man 2013 Kultureinrichtungen, ob sie Interesse daran hätten beim Kulturhackathon Coding da Vinci mitzumachen, konnte man mitunter folgende Antwort hören: "Wir sind eine ordentliche Behörde, wir arbeiten nicht mit Hackern zusammen". Inzwischen hat sich die Haltung vieler Institutionen zugunsten einer Kooperation mit Hackern (aka Programmierer/innen) gewandelt. Davon zeugen die umfangreichen Datensets, die dieses Jahr von den 33 am Hackathon teilnehmenden Kulturinstitutionen (GLAM) unter einer offenen Lizenz verfügbar gemacht wurden. Die 20 neuen Anwendungsprototypen, die bei der diesjährigen Preisverleihung von Coding da Vinci am 5. Juli von den Entwicklerteams vorgestellt wurden, belegen die erfolgreiche Nachnutzung dieser Daten durch die Teilnehmer des Hackathons. Trotz des heißen Tages mit einer Temperatur von 34 Grad im Großen Saal des Jüdischen Museums Berlin waren gut 160 Gäste und Teilnehmer für die öffentliche Präsentation der Projektergebnisse des Hackathons extra angereist.

Es gibt weitere messbare Erfolge - 600.000 Mediafiles standen zur Verfügung, ca. 65 Mio Metadatensätze - wenn man Wikidata, GND und die DDB Bestände hinzurechnet. Fünf Teams wurden von der ebenfalls fünfköpfigen Jury ausgezeichnet. Die Botaniker-App Floradex überzeugte das Publikum so sehr, dass sie zusätzlich den Publikumspreis "Everybody’s darling” gewann. Dies und noch einiges mehr ist der Pressemitteilung zu entnehmen.

Das Team Chasing Picture bei der Präsentation ihres Projektes am 5. Juli im Jüdischen Museum. (CC-BY Coding da Vinci, Foto: Thomas Nitz)

Doch Coding da Vinci überzeugt auch als Role Model. Der Hackathon steht inzwischen für mehr als nur eine einmalige (und einmalig schöne) Veranstaltung. Coding da Vinci hat viel bewegt in den vergangenen beiden Jahren: Gedanken und Haltungen der Mitarbeiter/innen in den Kulturinstitutionen, die sich, um mit einem Datensatz an CdV teilnehmen zu können, intensiv und während ihrer täglichen Arbeit mit Fragen zu offenen Lizenzen und offenen Datenformaten auseinandersetzen mussten. Sie haben sich dafür engagiert, haben Daten aufbereitet und auf freien Plattformen verfügbar gemacht.

Die Projektteilnehmer in den Teams haben bis kurz vor der Preisverleihung an ihren Projekten gearbeitet. Sie haben mit einem freien Blick auf die Sammlungen der digitalen Kulturobjekte geschaut hat. Sie haben in interdisziplinären Teams Ideen gesponnen, geplant, experimentiert und erprobt, was alles geht mit offenen Kulturdaten und in einem freien Experimentier-Raum wie Coding da Vinci. Die entstandenen Projekte liefern einen eindrucksvollen Beweis von der Fülle, der Kreativität und Originalität, dem Potential offener Kulturdaten und den erfolgreichen Hacker-GLAM-Kooperationen!

Ruth Rosenberger (Haus der Geschichte, Bonn): "Ein modernes Museum muss auch seinen Platz im Netz einnehmen. Das ist eine wichtige Aufgabe, um die es für uns bei Coding da Vinci geht. Der Kultur-Hackathon hilft uns, neue Möglichkeiten zu entdecken."


Die Teams nach der Preisverleihung. (CC-BY Coding da Vinci, Foto: Thomas Nitz)

Gleichwohl bleiben Fragen offen, für die wir auch als Veranstalterteam keine einfachen Antworten oder gar schnelle Lösungen haben. Warum sind Daten immer noch nicht unmittelbar nutzbar für die Entwickler? Warum besteht weiterhin in vielen Institutionen eine große Angst vor offenen Lizenzen? Wie überführt man erfolgreiche Entwickler-GLAM-Kooperationen, die zu einem guten Projekt geführt haben, in eine nachhaltige Zukunft? Wie stärkt man die Nachhaltigkeit der ebenfalls offen verfügbaren Projektergebnisse? Diese Fragen verdienen betrachtet, ernst genommen und beantwortet zu werden. Wir als Veranstalterteam wollen daher 2016 an einem Jahresprogramm arbeiten, um konkrete Angebote eröffnen zu können, damit das Thema “dauerhafte Verfügbarkeit und Nutzbarkeit offener Kulturdaten” in allen seinen vielfältigen Aspekten nachhaltig wird. Coding da Vinci als Event wird es daher erst wieder 2017 geben.

Aber: Es ist uns als Veranstalter/innen von Coding da Vinci wichtig, weiterhin mit allen, die sich für das Thema offene Kulturdaten interessieren, vernetzt zu bleiben. Wir würden gern weiterhin teilen: Daten, Gedanken, Meinungen und Spaß an der Sache! Wir möchten alle Interessierten hierzu herzlich einladen und bitten darum, sich über die CdV-Mailingliste und die CdV- Webseite über die aktuellen Entwicklungen zu informieren.

Coding da Vinci ist auch 2015 wieder eine gemeinsame Veranstaltung der Deutschen Digitalen Bibliothek, Open Knowledge Foundation Deutschland, Servicestelle Digitalisierung Berlin und Wikimedia Deutschland.

*Der Titel dieses Blogeintrags ist ein Zitat aus einem Interview mit Sebastian Ruff von der Stiftung Stadtmuseum Berlin während der Preisverleihung von Coding da Vinci am 5. Juli 2015.

 

 

 

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July 2015